Kongress- statt Kulturstadt?

Im Jahre 2009 hat eine Studie über die City-Halle gezeigt, dass ein Kongressgebäude ohne Unterstützung der öffentlichen Hand nicht rentabel bewirtschaftet werden kann. Dazu mal habe ich es schade gefunden, gerade weil die City-Halle eine ideale Kombination zwischen Event- und Tagungshaus hätte bieten können. Unterdessen sind in der ganzen Schweiz (vorwiegend unrentable!) Kongresszentren entstanden. Auch in Winterthur habe ich bisher kaum eine grosse Nachfrage nach Kongressräumen gespürt. Nun kommt die Stadtregierung, im Rahmen der Sparhysterie auf die Idee, eines der grössten Theater der Schweiz abzureissen und dafür ein neues Kongresszentrum zu bauen. Für eine Stadt die sich selber Kulturstadt nennt, ist dies ein direkter Faustschlag an die Theaterszene. Unterdessen erstaunt es auch nicht mehr, dass das Theater im Entwurf des neuen Kulturleitbildes kaum Erwähnung findet.

Eine funktionierende Kombination zwischen den Bedürfnissen eines Kongresszentrums und eines internationalen Theaters, ist kaum möglich. Mehrere Versuche sind daran schon gescheitert. Und nur ein halbes Theater hat nicht die gleiche Leuchtturm-Ausstrahlung wie ein ganzes.

Was sich auf den ersten Blick als Sparmöglichkeit anbietet, endet schlussendlich im finanziellen Debakel. Es ist unglaublich, wie leichtfüssig die Stadt bereit ist Bestehendes zu opfern. Die Stadt sägt am Stamm der Kultur. Dabei wird immer wieder vergessen, dass Kultur eine grosse Wertschöpfung bringt. Die heutige Stadtregierung zeigt mit ihren Ideen dazu keine Wertschätzung.

David Baumgartner

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