Veteranentreffen im Theater

Letzthin war ich wiedermal in einem grossen klassischen Theater und war dabei  doch etwas über das grosszählig, weiss häuptige Publikum erstaunt. Es war wie an einem Veteranentreffen. Rolatoren und Gehstöcke säumten den Eingang. Ich fühlte mich plötzlich unglaublich jugendlich. Dabei erinnerte ich mich wieder an einen Spruch eines mir befreundeten Liedermachers, der meinte er spiele wohl in Zukunft besser direkt im Altersheim statt im Theater.
Ist das Theater überaltert, stirbt ihm bald das Publikum weg? Dazu habe ich im Internet etwas herum gestöbert und festgestellt, dass es so schlimm nicht sein kann, denn schon vor 50 Jahren wurde das Theater aus diesen Gründen totgesagt. Eine Umfrage im 2008 hat ergeben, dass doch 42% der Bevölkerung mindestens einmal im Jahr ins Theater gehen. Eine andere Umfrage besagt allerdings, dass es rund 10% sind. Die Wahrheit wird wohl irgendwo dazwischen liegen.
Das klassische Theater kann verstaubt sein. Es gibt aber immer wieder frische Strömungen, welche dann vorerst junges Publikum anziehen und das Theater so weiterentwickelt.
Solange es Menschen gibt, die selbst denken, wird es auch das Theater geben. Das Theater kann ein lebendiges kulturelles Zentrum für alle Generationen sein. Es öffnet neue Denk- und Emotionsräume und setzt einen starken Gegenpol zum erlebten Alltag und zur heutigen digitalen Konkurrenz. Ich bin froh, dass es Winterthur trotz Sparmassnahmen geschafft hat, die Theatermöglichkeiten für Kinder und Jugendliche aufrecht zu erhalten, ja gar mit dem «augenauf!-Festival» noch zu verstärken. Das Theater wird weiterleben! Wann gehen sie wiedermal ins Theater?

David Baumgartner
Kolumne Winterthur Stadtanzeiger, 1.6.16

Aufbruch statt Abbruch

Die dubiose Zweckgemeinschaft lässt nicht von ihrer Idee locker, das Theater abzureissen und durch einen Multi-Komplex ersetzen zu lassen. Es ist dabei erstaunlich, wie fest sich hier der Stadtpräsident einspannen lässt. Er redet von einem Image-Projekt und merkt nicht, dass dieses bereits zerstört wurde. Das Image der Kulturstadt aber auch das Image des laufenden Betriebes des Theater Winterthur. Dabei verkaufen die Initianten ihr destruktives Vorhaben unter dem Titel TheaterPlus. Das klingt verlockend. Trotz aller schönen Worte: in dem neuen Komplex entsteht kein Mehrwert für die Kultur, stattdessen werden bestehende Werte vernichtet.

Mir fehlen die transparenten und klaren Fakten welche Bedürfnis, Kosten und Nutzen für einen solchen Multi-Komplex bestätigen und es rechtfertigen, dafür ein funktionierendes Theater abzureissen. Winterthur hat es vor Jahren verpasst, sich als Kongressort zu positionieren. Darum kann ein solches Kongresszentrum heute nur noch die bestehenden Infrastrukturen konkurrenzieren, z.B. das Casinotheater. Multi-Komplexe funktionieren nur im Taschenrechner und nicht in der Realität. Mischnutzungen bringen für alle Mitnutzer nur Probleme. Davon können die Sportvereine genügend erzählen. Diese Mogelpackung ist keine Innovation in die Zukunft und ich hoffe der Stadtrat wird sich nicht weiter von den leeren Phrasen blenden und beendet das Projekt bevor es einen noch grösseren Scherbenhaufen angerichtet hat.

Statt dessen stehen weitere dringende Entscheide an. So warten die Kultur-Subventionsträger auf konkrete Infos von der Stadt, wie ihre auslaufenden Subventionen in einem Jahr aussehen. Diese Verzögerung verhindert eine langfristige Planung der Institutionen und blockiert die Entfaltung unserer Kulturstadt. Aber vielleicht ist das ja auch das Ziel des Stadtrates.

David Baumgartner
Kolumne Winterthurer Stadtanzeiger, 24.11.15

Gemeinsamer Saisonstart

Zu Beginn seiner ersten Amtszeit forderte der Stadtpräsident von der Kultur eine grössere Zusammenarbeit untereinander. Dabei übersah er, dass gerade die Theaterschaffenden diese seit Jahren, z.B. mit dem Runden Tisch und der gemeinsamen Kleinkunstrallye, mit Erfolg praktizierten.

Zum Saisonauftakt fand diesen Samstag die 8. KleinKunstRallye und am gleichen Abend zum ersten Mal die Kulturnacht statt. Beide Veranstaltungen versuchten Brücken zu schlagen, ein gemeinsames Zeichen zu setzen und die Kultur sichtbar zu machen. Dabei wurde auch die kulturelle Vielfalt unserer Stadt aufgezeigt und der Fokus für einmal weg von den Finanzen hin zu der gut funktionierenden Kooperation der Kulturinstitutionen gelenkt. Dazu gab es für das Publikum die Möglichkeit Neues in kompakter Form zu Entdecken, für die Veranstalter Synergien zu nutzen und auf ihre kommende Saison aufmerksam zu machen.

Die KleinKunstRallye zeigte die gesamte Bandbreite des Winterthurer Theaterschaffens: In 3 Touren wurde das interessierte Publikum, auf einer Entdeckungsreise von Bühne zu Bühne geführt. Die Kulturnacht Winterthur lockte mit einem ebenso vielfältigen Programm zu einem Streifzug durch 13 verschiedene Kulturorte. Das Fazit des Tages: Die Kultur lebt und der Herbst und die Indoor-Saison kann beginnen. Und vielleicht schaffen es die Organisatoren der beiden Anlässe es nächstes Jahr zusätzlich, KleinKunstRallye und Kulturnacht besser zusammen zu vernetzen. Dafür müssten dann aber auch die Spar-Politiker der Kultur eine grössere Wertschätzung zeigen.

David Baumgartner

(Kolumne Winterthurer Stadtanzeiger, 15.9.15)

Winterthur wohin?

Das Gejammer über die Finanzen hat die Stadt Winterthur in eine geistige Stagnation und Langweiligkeit geführt. Der Aufbruch und die Entwicklung der letzten 20 Jahre sind durch das Finanzloch ins Stocken geraten und das frisch aufpolierte Image der Stadt wurde stark angekratzt. Im Zeichen der Sparvorgaben dreht sich die aktuelle politische Auseinandersetzung kaum mehr um inhaltliche Zielsetzungen in gesellschaftlicher und kultureller Hinsicht, sondern vorwiegend um rein finanzielle Aspekte. Es fehlt die Werte-Diskussion und es fehlt an Zukunftsperspektiven. Eine lose Gruppe aus Architekten und Kulturschaffenden hat darum den Verein «Winterthur wohin?» gegründet. Der Verein setzt sich zum Ziel, dass grenzüberschreitend und lustvoll wieder über Inhalte, Entwicklungen und Bedürfnisse gesprochen wird und will damit versuchen die Sparpolitiker und Schwarzmaler von der Bühne zu verdrängen. Ein erster Anlass hat am 16. Juni 15 im gut gefüllten Casinotheater statt gefunden.

Winterthur braucht mehr mutige Visionäre statt ständige Jammerer. Sie braucht dazu auch einen verstärkten Dialog und einen Abbau von Vorurteilen zwischen Wirtschaft, Politik und Kultur. Dabei darf sich die Kultur nicht nur als Bitsteller präsentieren sondern muss auch seinen aktiven Beitrag dazu leisten. Der Aufschwung beginnt mit der ganzen Bevölkerung. Lösen wir gemeinsam die Probleme lustvoll und mit mehr Herz und Humor. Oder wie es der Schauspieler Heinz Rühmann ausdrückte: «Lächeln ist das Kleingeld des Glücks.». Womit wir wieder beim Geld wären…

David Baumgartner
Kulturbauer

http://winterthurwohin.ch
(Kolumne Stadtanzeiger Winterthur vom 23.6.15)

Gebühren statt Steuern

Diverse Steuergeschenke haben ein grosses Loch in die Stadtkasse gerissen. Um dieses wieder zu stopfen hat sich das Stadtparlament in den letzten Jahren aber mit Händen und Füssen gegen eine Steuererhöhung gewehrt. Das ganze Ausbaden kann nun die Bevölkerung und vor allem die finanziell Schwachen. Sport und Kultur werden dabei doppelt getroffen: Subventionen und Unterstützungsbeiträge werden gekürzt und gleichzeitig Gebühren erhöht. Woche für Woche werden neue Gebührenerhöhung bekannt. Wenn diese später infolge «Kommunikations- oder Formfehler» wieder zurückgestellt werden, wird offensichtlich wie konzeptlos sich die Stadtbetriebe infolge der aufgezwungenen Sparmassnahmen abmühen. Auch ein Hohn ist die Aussage im neuen Kulturleitbild, dass die Stadt günstige Produktionsräume bietet und vermittelt, wenn man gleichzeitig die Bandräume massiv verteuert.

Bei einer Steuererhöhung hätte der allergrösste Teil der Steuerzahlenden nicht mehr als 50 Franken pro Jahr zusätzlich bezahlen müssen. Dieser Teil der Bevölkerung wäre mit einer Steuererhöhung günstiger gefahren als mit den nicht einkommensabhängigen Gebührenerhöhungen. Die Reichen sparen, die Armen zahlen… Nun, wir haben uns dieses Parlament selber gewählt! Und noch abschliessend zum Thema Worthülsen und Spar-Politik: wenn ich mir das schön gestaltete und aufwändig gedruckte Kulturleitbild anschaue – mit dem Geld hätte die Stadt ein paar schöne kulturelle Veranstaltungen unterstützen können…

David Baumgartner
(Kolumne Stadtanzeiger Winterthur, 12.4.15)

Kongress- statt Kulturstadt?

Im Jahre 2009 hat eine Studie über die City-Halle gezeigt, dass ein Kongressgebäude ohne Unterstützung der öffentlichen Hand nicht rentabel bewirtschaftet werden kann. Dazu mal habe ich es schade gefunden, gerade weil die City-Halle eine ideale Kombination zwischen Event- und Tagungshaus hätte bieten können. Unterdessen sind in der ganzen Schweiz (vorwiegend unrentable!) Kongresszentren entstanden. Auch in Winterthur habe ich bisher kaum eine grosse Nachfrage nach Kongressräumen gespürt. Nun kommt die Stadtregierung, im Rahmen der Sparhysterie auf die Idee, eines der grössten Theater der Schweiz abzureissen und dafür ein neues Kongresszentrum zu bauen. Für eine Stadt die sich selber Kulturstadt nennt, ist dies ein direkter Faustschlag an die Theaterszene. Unterdessen erstaunt es auch nicht mehr, dass das Theater im Entwurf des neuen Kulturleitbildes kaum Erwähnung findet.

Eine funktionierende Kombination zwischen den Bedürfnissen eines Kongresszentrums und eines internationalen Theaters, ist kaum möglich. Mehrere Versuche sind daran schon gescheitert. Und nur ein halbes Theater hat nicht die gleiche Leuchtturm-Ausstrahlung wie ein ganzes.

Was sich auf den ersten Blick als Sparmöglichkeit anbietet, endet schlussendlich im finanziellen Debakel. Es ist unglaublich, wie leichtfüssig die Stadt bereit ist Bestehendes zu opfern. Die Stadt sägt am Stamm der Kultur. Dabei wird immer wieder vergessen, dass Kultur eine grosse Wertschöpfung bringt. Die heutige Stadtregierung zeigt mit ihren Ideen dazu keine Wertschätzung.

David Baumgartner

Der fehlende Funke zum Jubiläum 750 Winterthur

Winterthur feiert in diesem Jahr 750 Jahre Stadtrecht. Dazu wurden verschiedene Festivitäten geplant, einige davon blieben bereits im Vorfeld stecken. Solche Jubiläen bieten Zeit für Gedanken zwischen dem Vergangenen und der Zukunft und die Möglichkeit die Stadt neu zu entdecken oder einzigartige Begegnungen zu machen.

Schon bald ist die Hälfte das Stadtjubiläums vorbei. In diesen 5 Monaten ist das Fest wohl bei einem grossen Teil der Bevölkerung bisher unbeachtet geblieben. Auch ausserhalb der Stadt wurde das Jubiläum kaum war genommen. Bei vielen der bisherigen Veranstaltungen war der Bezug zum Jubiläum nicht sichtbar. Viele wären auch sonst durchgeführt worden. Die Vielfalt des Programms ist zu breit, ohne klarem Motto, ohne Visionen. Vieles sind kurzfristige Events ohne nachhaltiger Wirkung und ohne Geist und Seele. «Wir sind Winterthur» heisst soviel wie, wir sind vielfältig, klein und unspektakulär.

Wo sind die einzigartigen Kooperationen der verschiedenen Vereinen und Organisationen? Wo sind die Durchmischungen von Generationen und Bevölkerungsschichten? Der grosse Funke für das gemeinsame Fest ist noch nicht entfacht worden. Vielleicht fehlt dazu einfach der begeisternde Image-Träger? Vielleicht sind im Umfeld der Organisation einfach zu viele Zürcher involviert, ohne Bezug zum Lokalen? Die Chance, mit dem Fest die Stadt neu zu präsentieren ist leider bisher nicht ausgenützt worden. Aber wir haben dazu ja noch 7 Monate Zeit. 

David Baumgartner
Kolumne Stadtanzeiger Winterthur, 20.5.14

Mehr Kultur, weniger Vorschriften und Auflagen

Die Stadt Winterthur hat den jüngsten Stadtrat aller Zeiten und trotzdem ist der Beamtenapparat grau geblieben. So haben die Beamten letzthin z.B. im Kraftfeld und beim Hako zugeschlagen und «Missstände» aufgedeckt, an denen sich bisher niemand daran gestört hat. Die paragraphenreitenden Beamte kennen dabei wenig Toleranz und kein Augenmass für Verhältnismässigkeit bei der Auslegung der Vorschriften. Diese Gangart der Behörden haben in letzter Zeit viele Kulturlokale zu spüren gekriegt.

Auch im Wolferhaus, unserem eigenen Kleintheater in Sennhof, können wir ein Lied davon singen: Zu Beginn des Projektes versammelten sich 6 Beamte im Haus. Dabei gab es ein richtiges Auflagen-Bashing. Ein jeder versuchte den anderen mit möglichen Auflagen zu übertreffen. Nach 2 1/2 Jahren Wirren und einigen kostenintensiven, baulichen Massnahmen, haben wir nun diesen Sommer von der Stadt eine Bewilligung für max. 10 Veranstaltungen im Jahr für max 50 Zuschauer erhalten. Dabei werden für das sporadische Kleintheater die gleichen Normen angewendet, wie bei einer 600 plätzigen Disco, welche täglich im Betrieb ist. Hätte unser Hausbesitzer nicht grosszügig einen grossen Teil der Kosten der baulichen Massnahmen von rund Fr. 25’000.- übernommen, hätten wir das Theater diesen Sommer wieder schliessen müssen. Denn, neben den hohen Auflagen hat die Stadt dazu auch zwei Gesuche für einen minimalen Projektbeitrag fürs Theater abgelehnt…

Das nenne ich nicht Kulturförderung sondern Kultur-Verhinderung! Es ist schade, wenn unverhältnismässige Auflagen Kulturlokale übermässig belasten und behindern. Es wäre erfreulich, wenn z.B. das Kultursekretariat bei solchen Problemfällen die Koordination unter den Amtsstellen, auf der Suche nach verhältnismässigen Lösungen übernehmen würde. Darum, lieber Stadtrat – die Weihnachtszeit naht bereits – schenkt euren Beamten ende Jahr als Boni etwas mehr gesunden Menschenverstand!

David Baumgartner
(Kolumne Winterthurer Stadtanzeiger, 24.9.13)

 

Sparübung bei der Kultur

Zur Zeit ist Winterthur eine Diskussion über die Kürzung der Kulturförderung im Gange. Dieses ist grundsätzlich auch gut so. Trotzdem darf die Diskussion nicht nur beim Geld stehen bleiben.

Kultur ist ein nachhaltiges Grundnahrungsmittel und ein wichtiger Wirtschaftszweig. Wirtschaft und Kultur hat viele Gemeinsamkeiten. Trotzdem ist Kultur mehr als ein «Shaerholder Value». Dabei wird die Kultur- und Unterhaltungsbranche wirtschaftlich sehr unterschätzt. Sie bietet mehr Arbeitsplätze an und macht mehr Umsatz als die nationale Uhrenindustrie! Kultur bringt Menschen in die Stadt und generiert eine beträchtliche Wertschöpfung, Geld also, das wieder zurück in die Stadtkasse fliesst.

Winterthur hat ein grosses Angebot an kulturellen Veranstaltungen und darf sich zur Recht auch Kulturstadt nennen. Viele beneiden diese vielfältige und lebendige Kultur-Landschaft. Kultur ist Lebensqualität, dem man Sorge tragen muss. Hinter der Kultur stehen viele Menschen und Organisationen, die mit viel ehrenamtlicher Arbeit “selbstausbeutend“ arbeiten.

Was ist Kultur, was sollte gefördert werden? Es ist doch wie bei der Landwirtschaft: der einte liebt Gemüse, der andere Milchprodukte und wieder andere mögen viel Fleisch. Trotzdem werden die Landwirtschaftlichen Subventionen nicht nach den persönlichen Vorlieben vergeben.

Die Gesellschaft wird immer heterogener, das Kulturangebot ebenso. Die Vielfalt ist der Grundstein der Kultur. Leuchttürme ragen zwar heraus, werden aber von einer grossen Masse getragen. Ohne mutige Innovationen, werden die Säle der Kultur bald leer bleiben und die Leuchttürme verfallen.

Die heutige Kultur braucht einen höheren Stellenwert und Akzeptanz. Und gerade hier ist die Städtische Kulturförderung wichtig. Falls nun gedankenlos mit dem Rotstift die Budgets der Kultursubventionen und der Projektbeiträge gestrichen werden steht diese Vielfältigkeit auf dem Spiel. Der Aufschwung beginnt im Kopf – und in der Kultur!

David Baumgartner
31.5.13

Die neue Sparkultur

Ende Jahr hat eine Mehrheit im Gemeinderat die Ausgaben im Budget 2013 mit dem Rasenmäher pauschal um 5,5 Millionen reduziert. Dabei sind konkrete Angaben, wo dass diese Summe gespart werden sollte ausgeblieben. Dies zeugt nicht für Verantwortung gegenüber der Stadt, aber auch nicht gegenüber der Bevölkerung und notabene dem Stimmbürger. Der Schwarze Peter bleibt dem Stadtrat überlassen. Dieser hat nun bereits ein paar Projekte zurück gestellt.

Leidtragend an den Sparübungen werden wohl schlussendlich auch die Kleinen in der Kultur. Bereits in den letzten Jahren hat sich hier der Verteilschlüssel vorwiegend zu den etablierten Institutionen, zurück zur «toten» Kultur von gestern und vorgestern verschoben. Wer laut jammert kommt auf Kosten der anderen eher zum Ziel. Gerade bei der projektorientierten Kulturförderung ist dies gut zu beobachten. In den letzter Zeit wurden diverse, eher symbolische Unterstützungsbeiträge gestrichen oder es wurden Anfragen mit faden Ausreden abgelehnt. Der Topf für die Projektbeiträge wird Jahr für Jahr magerer. Mit der aktuellen Budgetstreichung ist wohl gerade dieser Topf am stärksten Betroffen. Die frische und aktuelle Kultur darf sich mit den Brotsamen begnügen. Damit steht die Vielfältigkeit und Zukunft der Kulturstadt auf dem Spiel.
Diese Tendenzen zeigen, dass die letztjährige Gründung der Kulturlobby höchst notwendig war. Das Ziel der Kulturlobby ist einerseits der gemeinsame Informationsaustausch und das vermitteln von kulturpolitischen Anliegen gegenüber Politik und Wirtschaft. Ich erhoffe mir damit mehr Solidarität untereinander, mehr gemeinsame Aktionen, und weniger Einzelgänger. So steht z.B. bald die Kultursubventionsrunde an. Wenn nun jede Institution nur für sich schaut, wird es nur Verlierer geben – und die Krümel für die Projektbeiträge noch dürftiger.

 (David Baumgartner, Kolumne Winterthurer Stadtanzeiger, 22.1.13)